Da dieses Spiel immer noch einem Tonnengewicht gleich auf meiner Fußballseele lastet, kann ich nicht befreit über das nächste sportliche Großereignis schreiben, ehe dieser Text nicht verfasst ist.
Warum die unverdienteste aller unverdienten Niederlagen des FC Bayern München das Beste ist, was dem Fußball passieren konnte:
Niemand, der auch nur das geringste Verständnis vom Fußballsport hat, wird in Frage stellen, dass der FC Chelsea der wohl unverdienteste Champion-League-Gewinner in der Geschichte dieses Wettbewerbes ist. Eigentlich hätten sie nicht einmal im Finale stehen dürfen, denn in Barcelona wird heute immer noch niemend wirklich verstehen, wie man gegen diese unterlegene Mannschaft ausscheiden konnte.
Das Finale trieb dies dann noch einmal auf die Spitze. Hier hatte der FC Bayern alles erdenkliche Pech, was in einer Rasenballpartie zusammenkommen kann und der FC Chelsea hatte in diesen 120 Minuten soviel Glück wie es in der 107-jährigen Vereinsgeschichte insgesamt noch nie vorgekommen ist.
Nun könnte man lange darüber sinieren, wie es dazu kommen konnte, wie man bei absoluter Überlegenheit eine Führung zwei Minuten vor Schluss noch mal herschenken kann, wie man einen entscheidenden Elfmeter in der Nachspielzeit nur so unplatziert treten kann oder warum man als deutsche Mannschaft in einem Elfmeterschießen gegen ein englisches Team verliert.
Doch ist es müßig darüber zu diskutieren, denn all dies bringt den hässlichen Henkelpott nicht wieder zurück nach München. (Trotzdem muss kurz erwähnt werden, dass die entscheidenden Akteure im Elfmeterschießen ein Tscheche und ein Ivorer waren und damit die Regel, wonach Deutschland im Elfmeterschießen immer gegen England gewinnt, weiterhin Bestand hat!)
Vielmehr sollte man sich auf die einzig sinnvolle Lehre konzentrieren, die man aus diesem Spiel ziehen kann: "Der Fußball ist grausam und ungerecht!"
Dies ist aber etwas, was man nicht unbedingt negativ auslegen muss, vielmehr ist es der Grund, weshalb es sich überhaupt lohnt, diesen Sport mit der gebotenen Emotionalität zu verfolgen.
Denn es sind doch gerade diese Pokalüberraschungen, diese griechischen EM-Titel und eben auch diese Champions-League-Siege des FC Chelsea, die den Fußball interessant machen. Ihnen ist es zu verdanken, dass man als Fan mit jeder noch so kleinen und hoffnungslos unterlegenen Mannschaft träumen kann. Es ist dieser Traum von der einen Nacht, in der Glück und Pech sich separieren und eindeutig Partei ergreifen!
Fußball ist keine Mathematik, kein einfaches Aufeinandertreffen von Quoten, es ist ein Spiel, was man trotz allem einstudieren und trainieren kann, aber auch immer mit Glück zu tun hat. Sicher ist es in diesem Falle äußerst tragisch für die Spieler des FC Bayern und die Trauer in Uli Hoeneß' Gesicht hätte auch mich fast zu Tränen gerührt. Aber wer sagt, dass es sich nächstes Jahr nicht andersherum zuträgt? Wenn dann die Bayernspieler im Finale gegen den FC Barcelona stehen, dann brauchen sie eventuell eben dieses Glück und vielleicht ist es dann auf ihrer Seite, wer könnte das schon vorher sagen.
Schließlich ist der Verein aus München nicht zum ersten mal in dieser Situation. Das Finale von 1999 wird wohl niemandem aus dem Kopf gehen, der es damals miterlebt hat. Für mich lag in dem Spiel damals noch eine größere Tragik als anno 2012. Und trotzdem ist der Verein danach wieder aufgestanden und hat 2001 seinen ersten Champions League Titel gewonnen.
Aus dem Finale 1999 haben die Spieler die wichtige Erkenntnis mitgenommen, dass ein Spiel nie verloren ist, ehe es nicht abgepfiffen ist. Und genauso werden sie nach dem Finale 2012 für immer in den Köpfen haben, dass man jedes Spiel irgendwie gewinnen kann, egal wie unterlegen man ist.
Dies sind durchaus Erkenntnisse, die man nur über bittere Niederlagen verinnerlicht, während man aus einem Sieg nicht viel lernt.
Und zum Glück ist der FC Bayern München nicht Bayer Leverkusen. Die Bayern sind ein großartiger Verein, welcher auf jeden Fall wieder die Chance haben wird, die gelernten Lektionen in diesen legendären Europacup-Nächten abzurufen. Leverkusen hatte wohl nur dieses eine Mal in seiner Vereingeschichte die Möglichkeit, die beste Mannschaft Europas zu werden und hat sie verspielt.
Doch auch hier ist nicht alle Hoffnung verloren! Denn wenn diese Mannschaft aus Chelsea diesen Titel gewinnt, dann kann das auch Leverkusen und wieso soll nicht die Alemannia aus Aachen in vier Jahren den Weltpokal in den Tivoli holen?
Nach diesem Finale ist im Fußball wieder alles möglich!
Und ich hänge derweil das Bayerntrikot wieder in den Schrank und freue mich schon, es nächstes Jahr im Mai wieder voller Vorfreude und im Glauben an das Gute im Fußball überziehen zu dürfen.

Dann kann ich ja langsam auch auf RB wetten...
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