Sonntag, 17. Juni 2012

EM-Schnipsel am Sonntag


Die EM hat ihre erste handfeste Überraschung

Russland, Topfavorit der Gruppe A ist ausgeschieden. Nach einem furiosen 4:1-Auftaktsieg kam das EM-Vorrundenaus nun ebenso überraschend - wer allerdings gegen Griechenland verliert, hat es auch nicht anders verdient. Für den weiteren Verlauf und die Stimmung des Turniers wird es sicherlich nicht zuträglich sein, dass daneben Gastgeber Polen ausgeschieden ist, dessen Spieler auch nach 180 Minuten Spielbeobachtung äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden waren. 

Offenbar ist es zur Regel geworden, dass Doppelgastgeber bei der EM in der Vorrunde ausscheiden müssen. Für die EM 2020, deren Vergabe Ende nächsten Jahres ansteht, plädiert das EM-Studio deshalb vehement für einen Gastgeber Deutschland. 

+++++++++++++++++++

Viertelfinale Griechenland - Deutschland?

Im zweiten Viertelfinalspiel deutet sich nach dem überraschenden Weiterkommen der griechischen Nationalmannschaft die politisch brisante Begegnung Griechenland - Deutschland an. In der griechischen Boulevard-Presse wird das Duell bereits in höchste politische Sphären erhoben ("Bringt uns Merkel", Goal News; "Angela sei bereit", Sport Day) - die Antwort der Bild-Zeitung steht dazu noch aus. Die Verfasser dieses Blogs haben sich derweil dazu entschlossen, die Stimmung nicht weiter anzuheizen und auf einem moralisch, politisch und finanziell derart abgewirtschaftetem Land nicht noch unnötig herumzutrampeln.

++++++++++++++

TV-Berichterstattung erreicht immer neue Tiefpunkte

Was haben die öffentlich-rechtlichen Sender nur gegen die Fußball-EM? Dass die Berichterstattung im ZDF mit schwimmender Bohrinsel in Heringsdorf auf Usedom mit der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im Raumanzug (wann wird die Dame endlich auf den Mond geschossen?) und Oliver Kahn als Florian Silbereisen der Ostsee (Kölner Express) bereits vor dem Interview mit einem Einjährigen zum Spielgeschehen nur noch zur Realsatire taugte, war allseits bekannt. Nun hat auch noch die ARD - wenigstens am Ort des Geschehens - einen ihrer letzten Experten, den hochgeschätzten Gerhard Delling, verloren, welcher aus persönlichen Gründen abreisen musste. 

Viel skandalöser als der Insel-Irsinn mit Sinnlos-Dialogen wie „Olli, was war das Schönste heute?“ - „Dass der Wetterbericht nicht recht hatte, Katrin“ ist allerdings die offizielle Bild-Regie der Uefa während der Spiele, die letztlich nur noch als Zensur bezeichnet werden kann. So wurde weder ein kroatischer Flitzer gezeigt, der im Spiel gegen Irland den kroatischen Trainer küsste, noch die beiden grünen Abgeordneten Schulz und Harms, die während des Deutschland-Spiels ein kritisches Transparent entrollten. Überdies werden lustige Szenen ins Spiel geschnitten, wie die von Jogi Löw mit einem Balljungen, welche während der Spielvorbereitung stattfand. 

Für eine sehr gute Betrachtung bei Welt.de zur Uefa-Bildregie-Propaganda, von der sich mittlerweile sogar das ZDF distanziert, bitte hier entlang. 

+++++++++++++++++++++++++++++

Informationen vor Deutschlands letztem Gruppenspiel

Für alle, die bereits mehr als fünf Stunden vor dem Deutschland-Spiel gegen Dänemark keinen klaren Kopf mehr haben, sei auf die offizielle Seite des DFB verwiesen, welche mit interessanten Details und Hintergrundinformationen zum Spiel aufwartet. So konnte Deutschland in den letzten drei Begegnungen gegen Dänemark nicht gewinnen, der letzte Pflichtspielsieg liegt 16 Jahre zurück. Verfrühtes Triumphgeheul ist aus deutscher Sicht also völlig unangebracht, sicherlich auch weil Dänemark heute wieder die alte Heribert-Faßbender-Devise "hinten dicht und vorne Prinzip Hoffnung" verinnerlicht hat.

Wer sich trotz völligen Desinteresses am Fußball trotzdem durch diesen Artikel gekämpft hat und heute Abend auf Grund sozialem Gruppenverhaltens das Spiel anschauen muss, dem sei der wunderbare Artikel "Schlaues zur EM" unserer Kollegen der taz ans Herz gelegt, welcher kluge Sätze für den Fußball-Smalltalk wie "Das wird die EM der alten Männer", "Da müsste mehr über die Flügel kommen" oder "Das wird die EM der jungen Männer" bereithält.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen