Die
EM hat ihre erste handfeste Überraschung
Russland,
Topfavorit der Gruppe A ist ausgeschieden. Nach einem furiosen 4:1-Auftaktsieg
kam das EM-Vorrundenaus nun ebenso überraschend - wer allerdings gegen
Griechenland verliert, hat es auch nicht anders verdient. Für den weiteren
Verlauf und die Stimmung des Turniers wird es sicherlich nicht zuträglich sein,
dass daneben Gastgeber Polen ausgeschieden ist, dessen Spieler auch nach 180
Minuten Spielbeobachtung äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden waren.
Offenbar
ist es zur Regel geworden, dass Doppelgastgeber bei der EM in der Vorrunde
ausscheiden müssen. Für die EM 2020, deren Vergabe Ende nächsten Jahres
ansteht, plädiert das EM-Studio deshalb vehement für einen Gastgeber
Deutschland.
+++++++++++++++++++
Im
zweiten Viertelfinalspiel deutet sich nach dem überraschenden Weiterkommen der
griechischen Nationalmannschaft die politisch brisante Begegnung Griechenland -
Deutschland an. In der griechischen Boulevard-Presse wird das Duell bereits in
höchste politische Sphären erhoben ("Bringt uns Merkel", Goal News;
"Angela sei bereit", Sport Day) - die Antwort der Bild-Zeitung steht
dazu noch aus. Die Verfasser dieses Blogs haben sich derweil dazu entschlossen, die
Stimmung nicht weiter anzuheizen und auf einem moralisch, politisch und
finanziell derart abgewirtschaftetem Land nicht noch unnötig herumzutrampeln.
++++++++++++++
TV-Berichterstattung erreicht immer neue Tiefpunkte
Was
haben die öffentlich-rechtlichen Sender nur gegen die Fußball-EM? Dass die
Berichterstattung im ZDF mit schwimmender Bohrinsel in Heringsdorf auf Usedom
mit der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im Raumanzug (wann wird die Dame
endlich auf den Mond geschossen?) und Oliver Kahn als Florian Silbereisen der
Ostsee (Kölner Express) bereits vor dem Interview mit einem Einjährigen zum Spielgeschehen nur noch zur Realsatire taugte, war allseits bekannt. Nun hat auch noch die ARD - wenigstens am
Ort des Geschehens - einen ihrer letzten Experten, den hochgeschätzten
Gerhard Delling, verloren, welcher aus persönlichen Gründen abreisen musste.
Viel
skandalöser als der Insel-Irsinn mit Sinnlos-Dialogen wie „Olli, was war das Schönste heute?“ - „Dass der
Wetterbericht nicht recht hatte, Katrin“ ist allerdings die
offizielle Bild-Regie der Uefa während der Spiele, die letztlich nur noch als
Zensur bezeichnet werden kann. So wurde weder ein kroatischer Flitzer gezeigt,
der im Spiel gegen Irland den kroatischen Trainer küsste, noch die beiden grünen
Abgeordneten Schulz und Harms, die während des Deutschland-Spiels ein
kritisches Transparent entrollten. Überdies werden lustige Szenen ins Spiel
geschnitten, wie die von Jogi Löw mit einem Balljungen, welche während der
Spielvorbereitung stattfand.
Für
eine sehr gute Betrachtung bei Welt.de zur Uefa-Bildregie-Propaganda, von der sich
mittlerweile sogar das ZDF distanziert, bitte hier entlang.
+++++++++++++++++++++++++++++
Informationen vor Deutschlands letztem Gruppenspiel
Für
alle, die bereits mehr als fünf Stunden vor dem Deutschland-Spiel gegen Dänemark
keinen klaren Kopf mehr haben, sei auf die offizielle Seite des DFB verwiesen,
welche mit interessanten Details und Hintergrundinformationen zum Spiel
aufwartet. So konnte Deutschland in den letzten drei Begegnungen gegen Dänemark nicht gewinnen, der letzte Pflichtspielsieg liegt 16 Jahre zurück. Verfrühtes Triumphgeheul ist aus deutscher Sicht also völlig unangebracht, sicherlich auch weil Dänemark heute wieder die alte Heribert-Faßbender-Devise "hinten dicht und vorne Prinzip Hoffnung" verinnerlicht hat.
Wer
sich trotz völligen Desinteresses am Fußball trotzdem durch diesen Artikel gekämpft
hat und heute Abend auf Grund sozialem Gruppenverhaltens das Spiel anschauen
muss, dem sei der wunderbare Artikel "Schlaues zur EM" unserer Kollegen der
taz ans Herz gelegt, welcher kluge Sätze für den Fußball-Smalltalk wie "Das wird die EM der alten Männer", "Da müsste
mehr über die Flügel kommen" oder "Das wird die EM der jungen Männer"
bereithält.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen