Freitag, 15. Juni 2012

Zur Lage der Demokratie in der Ukraine

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Spielbericht zur Partie Deutschland-Niederlande in Charkiw (Ukraine) stehen, doch das tut es nicht.



Die aktuelle Situation in der Ukraine und das völlige Desinteresse, welches die Medien befiel, nachdem das erste Spiel angepfiffen wurde, lässt uns nichts anderes übrig, als uns zur politischen Lage in dem Land zu äußern und den Fussball einmal beiseite zu lassen.


Wir sprechen hier von einem Land, welches vor kurzem mit der orangenen Revolution noch einer vielversprechenden Zukunft entgegenblickte. Dies waren im Übrigen auch die Eindrücke, unter denen die UEFA stand, als sie das Tunier (unter doch recht zweifelhaften Bedingungen) in das Land am Schwarzen Meer vergab.
Doch inzwischen hat sich die Situation grundlegend geändert.
Es herrscht nun der Präsident Viktor Janukowitsch, welcher in keinster Weise als Demokrat zu bezeichnen ist. Er hat neben Julia Timoschenko (deren Rolle auch durchaus kritisch gesehen werden kann) fast die sämtliche Opposition hinter Gitter gebracht. Die Prozesse, die jeweils dazu führten sind allesamt als politische motivierte Prozesse ohne jegliche juristische Legitimation zu bezeichnen.

Da wir nur durch die harte Schule des Fußballjournalismus gegangen sind, traue ich mir nicht zu, hier alle Details wiederzugeben und möchte deshalb auf einen sehr lesenswerten Artikel der Kollegen von Sueddeutsche.de zu verweisen:

"Ukraine zwischen Demokratie und Diktatur: Wenn ganze Parteien zu verkauf stehen"

Als besonders skandalös muss an dieser Stelle das Verhalten der UEFA bezeichnet werden, welche sich einem Kommentar zur politischen Lage komplett verweigert und sich auf das Unpolitische des Fußballs zurückzieht. Dabei muss hervorgehoben werden, dass die Vergabe damals noch mit dem Hinweis auf die Chancen, welche sich für das Land und die Öffnung nach Europa ergeben, begründet wurde.

Dabei bietet sich mit dieser Fußball-EM die seltene Chance, durchaus auch Druck auf die Regierung auszuüben bezüglich der Situation der politischen Gefangenen.
Doch hier ist das Kalkül von Viktor Janukowitsch voll aufgegangen. Mit Anpfiff der EM ließ das Interesse der Medien und Öffentlichkeit am Politischen schlagartig nach und es stand nur noch der Fußball im Fokus der Öffentlichkeit.

Es gibt nur Wenige, die sich diesem Mainstram entgegen stellen. Sehr lobend hervorzuheben wäre an dieser Stelle die Aktion der beiden grünen Europaabgeordneten Werner Schulz und Rebecca Harms, die extra in die Ukraine gereist sind, um Frau Timoschenko im Krankenhaus zu besuchen und anschließend im Stadion ein Transparent zu entrollen, welches auf die untragbare Situation aufmerksam machen sollte.

Dem entgegen steht die unmögliche Ankündigung des deutschen Innen- und Sportministers Hans Peter Friedrich, die bisherige Linie der deutschen Bundesregierung, aus Protest nicht in die Ukraine zu Spielen zu reisen, durchbrechen zu wollen. Er möchte ab dem Viertelfinale zu jedem Spiel der deutschen Nationalmannschaft reisen und sich dieses im Stadion anschauen, gleich ob dieses in der Ukraine stattfindet.

Dies ist der nicht zu tolerierende Versuch eines profillosen Ministers, sein Image mit der deutschen Nationalmannschat aufzubessern, ohne Rücksicht auf die ernsthaften Probleme, mit denen sich die Demokraten in der Ukraine konfrontiert sehen.

Wir hoffen doch sehr, dass Bundeskanzlerin Merkel ihren Minister noch zur Vernunft bringt, bevor er das kaputt macht, was die Haltung der europäischen Regierungen erreicht hat. Wir werden die skandalösen Vorgänge weiter im Auge behalten.








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